Patienten auf der neonatologischen Intensivstation (NICU) sind einer Vielzahl von Therapien und Interventionen ausgesetzt, die einen erheblichen Eingriff in ihren noch unreifen Organismus darstellen — und die Stress und Schmerzen verursachen können. Studien zufolge werden Neugeborene durchschnittlich 12 oder mehr schmerzhaften Eingriffen pro Tag ausgesetzt. Viele dieser notwendigen Massnahmen sind potenziell belastend, darunter: Blutgasanalysen (BGA), Absaugen, Bronchoskopien, Beatmungsanpassungen oder körperliche Untersuchungen und Eingriffe.
Aufgrund der negativen Einflüsse von Schmerz und Stress auf die neonatale Entwicklung hat das Schmerzmanagement in der Neonatologie eine wichtige Bedeutung. Häufige Schmerzereignisse in der frühen Lebensphase sind mit kurz- und langfristigen Folgen assoziiert — von akuten physiologischen Reaktionen (Herzfrequenz- und Blutdruckschwankungen, Abfall der Sauerstoffsättigung, erhöhte Stresshormonausschüttung) bis hin zu möglichen Auswirkungen auf die neurologische Entwicklung. Es sollten daher Verfahren und Mechanismen etabliert werden, um Schmerz- und Stressereignisse zu erkennen, zu dokumentieren und kommunizieren sowie möglichst zu vermeiden.
Ein zentraler Hebel ist dabei die Reduzierung der schmerzhaften Ereignisse selbst — und da ein grosser Anteil der Blutentnahmen der Blutgasmessung dienen, setzt genau hier das transkutane CO₂-Monitoring an. Es liefert kontinuierliche Informationen zum CO₂-Verlauf und unterstützt das Behandlungsteam dabei, Beatmung und Atemunterstützung gezielter zu steuern — bei gleichzeitig reduziertem Bedarf an invasiven Blutkontrollen.
Christina Lifke, Fachpflegerin für pädiatrische Intensivpflege am Klinikum Westbrandenburg, erläutert, wie transkutanes CO₂-Monitoring das Schmerzmanagement und die Versorgung von Früh- und Neugeborenen unterstützen kann.
Wie erkenne ich Schmerzereignisse beim Früh- und Neugeborenen?
Neugeborene und Frühgeborene können Schmerz und Stress wahrnehmen. Da sie sich nicht verbal äussern können, müssen Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte auf Verhaltenszeichen und physiologische Veränderungen achten.
Zu typischen Stress- und Schmerzzeichen zählen:
- Hautreaktionen, Grimassieren, Gähnen oder Schluckauf
- Zittern, Blässe, Würgen oder Erbrechen
- Veränderungen von Herz- und Atemfrequenz
- Unruhe, Erschöpfung oder Apnoen
Standardisierte Schmerz- und Verhaltensscores helfen, diese Zeichen objektiver zu bewerten und im Team einheitlich zu kommunizieren.
Wie lassen sich schmerzhafte Interventionen reduzieren?
Schmerzreduktion beginnt nicht erst mit Medikamenten. Viele Massnahmen zielen darauf ab, dem Kind Sicherheit, Begrenzung und vertraute Reize zu geben.
Bewährte nicht-pharmakologische Massnahmen beinhalten:
- Flexion, flächige Begrenzung und Pucken
- Bonding in der Känguru-Methode, beruhigendes Sprechen und sanfte Berührung
- Ausreichend Wärme sicherstellen, Reduktion von Licht und Lärm
- Muttermilch oder Saccharose vor kleineren schmerzhaften Eingriffen
- Bündelung von Interventionen in Wachphasen
- Nutzung von nicht-invasiven Verfahren wo möglich
Diese Massnahmen können Stress reduzieren und dem Säugling helfen, schmerzhafte Situationen besser zu bewältigen.
Welche Rolle spielt transkutanes CO2-Monitoring?
Transkutanes CO₂-Monitoring misst den CO₂-Verlauf nicht-invasiv über die Haut. Dadurch erhält das Team kontinuierliche Trendinformationen, ohne jedes Mal Blut abnehmen zu müssen.
Das ist besonders relevant bei Kindern mit Atemunterstützung und zur:
- Intubations- oder Extubationsvorbereitung
- Zeitigen Einschätzung des Therapieerfolgs oder -versagens
- Weaning von der Atemunterstützung
- Objektivierung von Wahrnehmungen
Die Blutgasanalyse, welche den Goldstandard darstellt, ist jedoch nur eine punktuelle Messung und erlaubt keine Einschätzung über fortlaufende Entwicklungen. Transkutanes Monitoring zeigt dagegen, ob der CO₂-Wert stabil bleibt, steigt oder fällt. Wenn die transkutanen Werte mit Blutgasanalysen korrelieren und klinisch plausibel sind, können unnötige Blutentnahmen reduziert werden.
Was ist bei der transkutanen CO2-Messung zu beachten?
Beim transkutanen Monitoring ist der Verlauf oft wichtiger als ein einzelner Messwert. Einzelwerte können jedoch durch Sensorposition, Hautbeschaffenheit, Temperatur, Durchblutung oder Kalibrierung beeinflusst werden.
Deshalb sollte das Team immer prüfen:
- Passt der CO₂-Trend zum klinischen Zustand des Kindes?
- Korreliert der Wert mit der letzten Blutgasanalyse?
- Ist der Sensor korrekt platziert?
- Sind die Alarmgrenzen sinnvoll eingestellt?
- Muss die Messstelle gewechselt werden?
Transkutanes Monitoring ersetzt keine klinische Einschätzung und keine Blutgasanalyse in kritischen Situationen. Es ergänzt die Versorgung durch kontinuierliche Informationen.
Wie unterstützt das transkutane Monitoring von Sentec die Elternintegration?
Eltern spielen eine wichtige Rolle in der Versorgung von Frühgeborenen. Sie können ihr Kind beruhigen, halten, streicheln, beim Saugen unterstützen oder während Massnahmen Nähe geben. Das Monitoring sollte dem nicht im Wege stehen.
Durch die Smart Cal-Mem-Technologie von Sentec, lassen sich Gerät und Sensor bis zu 30 min voneinander trennen, ohne die Messung im Anschluss durch eine Kalibrierung unterbrechen zu müssen. Ideal für das Eltern-Kind-Bonding, welches in der Versorgung von Neonaten so wichtig ist.
Fazit: Weniger Schmerz durch mehr kontinuierliche Information
Transkutanes CO₂-Monitoring ist ein wichtiger Baustein für eine schonendere neonatologische Versorgung. Es hilft, CO₂-Trends kontinuierlich sichtbar zu machen, die Anpassung der Beatmungsstrategie zu unterstützen und Blutgasanalysen zu reduzieren.
In Kombination mit strukturiertem Schmerzassessment, entwicklungsfördernder Pflege, nicht-pharmakologischen Massnahmen und Elternintegration kann transkutanes Monitoring dazu beitragen, Schmerz, Stress und Handling bei Früh- und Neugeborenen zu reduzieren.
Häufige Fragen
Mehr Details zum transkutanen CO₂ Monitoring in der Neonatologie
Christina Lifke, Fachpflegerin für pädiatrische Intensivpflege am Klinikum Westbrandenburg, erklärt in dieser Webinar-Aufzeichnung, wie transkutanes CO₂-Monitoring in der neonatologischen Praxis eingesetzt werden kann und wie kontinuierliche Trenddaten das Schmerzmanagement sowie die Versorgung von Früh- und Neugeborenen unterstützen können.





