Eine Hypoxämie sieht man in der Pulsoxymetrie sofort. Eine beginnende Hyperkapnie dagegen bleibt oft lange unbemerkt – bis der Patient dekompensiert. Dr. Dora Triché, Oberärztin und Leiterin des Schlaflabors am Klinikum Nürnberg, zeigt in diesem Webinar, wie sich eine Atempumpeninsuffizienz frühzeitig erkennen lässt, welche Symptome Kliniker aufhorchen lassen sollten und warum die transkutane CO2-Messung die entscheidende Ergänzung zu Pulsoxymetrie und Blutgasanalyse ist.
Typ 1 oder Typ 2? Warum die Unterscheidung über die Therapie entscheidet
Das respiratorische System besteht aus zwei Systemen: der Lunge und der Atempumpe. Sofern in der Lunge, dem gasaustauschenden System, eine Störung vorliegt, zeigt sich in der Blutgasanalyse eine respiratorische Insuffizienz Typ 1, eine Hypoxämie. Bei einer Insuffizienz Typ 1 ist das O2 ist erniedrigt, das CO2 jedoch im Normbereich oder sogar leicht erniedrigt, da der Patient oftmals kompensatorisch hyperventiliert. Das klassische Beispiel ist die akute Pneumonie, die zu einer Hypoxämie führt und meist mit Sauerstoffgabe behandelt wird.
Bei einer Störung des ventilierenden Systems, der sogenannten respiratorischen Insuffizienz Typ 2, oder Atempumpeninsuffizienz, liegt zusätzlich zur Hypoxämie eine Hyperkapnie vor. Die typische Therapie ist hier nicht Sauerstoff allein, sondern die nicht-invasive Beatmung.
Die Atempumpe: Wenn Last und Kraft aus dem Gleichgewicht geraten
Zur Atempumpe gehören alle an der Atmung beteiligten Organe: das Atemzentrum im Hirnstamm, die zentralen und peripheren Nervenbahnen, die Atemmuskulatur (allen voran das Zwerchfell) sowie die skelettalen Strukturen wie die Rippen.
Eine Atempumpeninsuffizienz entsteht, wenn zwischen der Last auf diesem System und der verfügbaren Kraft eine Diskrepanz besteht: entweder eine geschwächte Muskulatur, eine zu hohe Last – oder, wie bei den meisten Erkrankungen, eine Kombination aus beidem. Wichtig zu wissen: Die Atemmuskulatur ist erschöpfbar. Während in Ruhe nur rund 5 % der maximalen Atemmuskelkraft benötigt werden, führt ein dauerhafter Bedarf von 40 % oder mehr zur Erschöpfung. Praktisch jede unbehandelte strukturelle Lungenerkrankung endet – über einen längeren Zeitraum betrachtet – in einer Atempumpeninsuffizienz.
Typische Krankheitsbilder, die im klinischen Alltag zur nicht-invasiven Beatmung führen, sind COPD in fortgeschrittenem Stadium, Obesitas-Hypoventilation, neuromuskuläre Erkrankungen wie Duchenne-Muskeldystrophie oder ALS, ausgeprägte Skoliose sowie fortgeschrittene restriktive bzw. fibrotische Lungenerkrankungen.
Zwei typische Symptome, die besonders beachtet werden sollten
Die Symptome der ventilatorischen Insuffizienz können eher unspezifisch sein. Zwei Symptome sind jedoch besonderes typisch:
- Morgendliche Kopfschmerzen (Cephalgien): Ein CO2-Anstieg führt zur Vasodilatation, was wiederum als Kopfschmerz wahrgenommen wird.
- Ungewollte Gewichtsabnahme (pulmonale Kachexie): Eine überlastete Atempumpe verbraucht so viel Energie, dass Betroffene trotz Nahrungsaufnahme nicht auf ihr Normalgewicht zurückkommen.
Hypoventilation in der Polygraphie erkennen – ist das möglich?
Viele Patienten zeigen in der Polygraphie bereits typische Merkmale einer möglichen respiratorischen Insuffizienz Typ 2: Neben erhöhtem Aufkommen von Apnoen und Hypopnoen und einer zyklischen Entsättigung zeigt sich eine insgesamt erniedrigte mittlere Sauerstoffsättigung (Hypoxämie) – die Sättigungskurve „hängt durch”. Das sind Hinweise, jedoch keine sichere Diagnose: Eine zusätzliche Hypoventilation lässt sich aus der Polygraphie allein nicht sichern. Dafür braucht es eine zusätzliche CO2-Messung.
Wie wird die transkutane CO2-Messung durchgeführt?
Zur Durchführung einer transkutanen CO2-Messung wird der Sensor mit Hilfe eines Befestigungsrings und etwas Kontaktgel auf einer geeigneten Messstelle auf der Haut angebracht. Geeignete Messstellen sind in den Trainingsmaterialien angegeben und umfassen u. a. die Stirn, den oberen und seitlichen Thorax. Für besonders empfindliche Haut und Umgebungen mit hoher Luftfeuchtigkeit wurde, speziell für Sentec Systeme, ein Klettbandapplikator entwickelt, der die klebstofffreie Anbringung des Sensors am Oberschenkel ermöglicht.
Nachdem der Sensor angebracht ist, erwärmt dieser die Haut an der Messstelle und steigert dadurch die CO2-Diffusionskapazität sowie die lokale Durchblutung. Nach einer kurzen Stabilisierungsphase wird der CO2-Trend am Monitor angezeigt.
Für Neugeborene kann der Sensor anschließend – je nach Profil – bis zu 8 Stunden bei einer Sensortemperatur von 41°C verbleiben.
Pulsoxymetrie, Blutgasanalyse, transkutane Messung: drei Verfahren, die sich ergänzen
Die Pulsoxymetrie gehört zur Standarddiagnostik: Ein Fingerclip misst über reflektiertes Licht aus dem roten und infraroten Wellenlängenbereich die Sauerstoffsättigung. Fehlerquellen sind unter anderem roter Nagellack und ein niedriger Hämoglobin-Gehalt, der zu einer scheinbar schnelleren Sättigung führt.
Die arterielle Blutgasanalyse bleibt das genaueste Verfahren für pO2 und pCO2 – sowohl arteriell als auch kapillär. Der entscheidende Nachteil: Sie ist punktuell. Beim schlafenden Patienten ist eine Messung nicht möglich, da schon der Einstich selbst die Werte verändert – eine echte Verlaufsbeobachtung ist so nicht möglich.
Die transkutane CO2-Messung schließt genau diese Lücke. Sie liefert – nicht-invasiv und kontinuierlich – den CO2-Verlauf über die gesamte Nacht. Beide Verfahren, Blutgasanalyse und transkutane Messung, sind dabei keine Konkurrenten, sondern ergänzen sich.
Wie funktioniert die transkutane CO2-Messung?
Der Sensor von transkutanen Systemen kombiniert eine pulsoxymetrische mit einer kapnometrischen Messmethode. Auf die Haut aufgebracht – idealerweise an einer gut kapillarisierten Stelle wie dem Ohrläppchen – diffundiert CO2 aus dem Kapillarbett über ein Kontaktgel durch die Sensormembran in eine Elektrolytlösung. Dort entsteht eine chemische Reaktion auf deren Basis der pCO2-Wert abgeleitet werden kann. Damit die Diffusion funktioniert, wird die Haut auf etwa 42 °C erwärmt. Regelmäßige Kalibrierung sowie eine laufende Driftkorrektur sichern die Messgenauigkeit.
Studien zeigen eine gute Übereinstimmung zwischen transkutan und arteriell bzw. kapillär gemessenen CO2 Werten. Entscheidend ist jedoch die Verfügbarkeit eines kontinuierlichen Trends.
Indikationsgrenzwerte für die nicht-invasive Beatmung – je nach Krankheitsbild
Die aktuelle S3-Leitlinie (2024) definiert für jedes Krankheitsbild eigene Grenzwerte für das pCO2:
| Krankheitsbild | Kriterium |
|---|---|
| COPD | Tages-pCO2 > 52 mmHg oder nächtliches pCO2 >55 mmHg und nächtlicher Anstieg um ≥ 10 mmHg |
| Thorakal-restriktive Erkrankungen | Mind. 1 der Kriterien: Nächtliches pCO2 ≥ 50 mmHg, PtcCO2 ≥ 55 mmHg während > 10 min im Schlaf oder nächtlicher Anstieg um ≥ 10 mmHg und nächtliches pCO2 >50 mmHg |
| Obesitas-Hypoventilation | BMI > 30 und Standardbicarbonat am Tage > 27 mmol/l, zusätzlich mind. ein Kriterium: Nächtliches pCO2 ≥ 50 mmHg, PtcCO2 ≥ 55 mmHg während > 10 min im Schlaf oder nächtlicher Anstieg um ≥ 10 mmHg und nächtliches pCO2 >50 mmHg |
| Neuromuskuläre Erkrankungen | Bei nächtlichem pCO2 >50 mmHg oder nächtlicher Anstieg um ≥ 10 mmHg |
Für eine detailliertere Betrachtung und Indikationsstellung müssen die gesamtheitlichen Ausführungen der Leitlinie betrachtet werden.
Therapieeinleitung, Kontrolle und kontinuierliche Überwachung
Nach Einleitung der Beatmung sind regelmäßige Kontrollen entscheidend – typischerweise zunächst nach 4–8 Wochen, im Anschluss alle sechs bis zwölf Monate. Dabei wird immer wieder polygraphisch bzw. polysomnographisch mit transkutaner CO2-Messung kontrolliert, ob die Geräteeinstellungen noch den Bedürfnissen des Patienten entsprechen oder angepasst werden müssen.
Fazit
Bei bestimmten Krankheitsbildern sollte daran gedacht werden, dass auch eine Atempumpeninsuffizienz vorliegen könnte. Hinweise darauf liefert z.B. eine Hypoxämie in der PG/ PSG oder eine Bicarbonaterhöhung am Tage. Pulsoxymetrie und Blutgasanalyse liefern dabei wichtige, aber unvollständige Informationen: Die eine misst keine CO2-Werte, die andere nur das CO2 zu einem Zeitpunkt. Die transkutane CO2-Messung schließt diese Lücke, indem sie den CO2-Verlauf kontinuierlich und nicht-invasiv über die gesamte Nacht abbildet – als Grundlage für Diagnose, Therapieentscheidung und Verlaufskontrolle.
Häufige Fragen
Hinweis: diese Aussagen sind gekürzt und zum Teil stark vereinfacht. Für ausführlichere Informationen sollten weitere Fachmedien konsultiert werden.
KAPITEL
Warum CO₂-Monitoring
Hypokapnie und Hyperkapnie
Blutgasanalyse
Was ist transkutanes CO₂-Monitoring?
Wie wird es durchgeführt?
Klinische Anwendung
Fallbeispiele
Vorteile
Grenzen
Fazit
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Dr. Dora Triché, Oberärztin und Leiterin des Schlaflabors am Klinikum Nürnberg, erläutert in diesem On-Demand-Webinar anhand konkreter Fallbeispiele aus dem klinischen Alltag, wie sich die Atempumpeninsuffizienz frühzeitig erkennen lässt und wie transkutanes CO2-Monitoring die Therapieentscheidung sicherer macht.





