Die Beatmung ist ein zentraler Bestandteil der Versorgung auf der neonatologischen Intensivstation (NICU) — und zugleich eine der größten Herausforderungen, denn die unreife Lunge und die unterentwickelte Atmung von Früh- und Neugeborenen verlangen eine äußerst schonende, individualisierte Beatmung. Sie soll einen ausreichenden Gasaustausch sichern und die oftmals noch nicht ausgereifte Spontanatmung unterstützen ohne dabei die empfindliche Lunge — und das sich entwickelnde Gehirn — zusätzlich zu schädigen. Entscheidend sind, insbesondere im kranken Zustand, kleine Tidalvolumina, niedrige wirksame Drücke und ein engmaschiges Monitoring.
Dr. Julia Sandkötter, Neonatologin und Leiterin der Neonatologie am Universitätsklinikum Münster, erklärt, wie lungenschonende Beatmungsstrategien und CO₂-Monitoring die Versorgung von Früh- und Neugeborenen unterstützen.
Warum neonatale Beatmung besonders anspruchsvoll ist
Die Lunge von Früh- und Neugeborenen ist noch nicht vollständig entwickelt. Je unreifer ein Kind geboren wird, desto vulnerabler ist das Lungengewebe. Zu hohe Beatmungsdrücke oder Volumina können bereits früh zu ventilatorassoziierten Lungenschäden beitragen.
Deshalb gilt in der Neonatologie hinsichtlich der Atmungsunterstützung: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Ziel ist eine möglichst homogene Belüftung aller Lungenareale. Gleichzeitig sollen Atemarbeit reduziert, Atelektasen vermieden und Überblähung verhindert werden.
Invasive Beatmung: Wenn nicht-invasive Unterstützung nicht ausreicht
Eine invasive Beatmung kann notwendig werden, wenn trotz nicht-invasiver Massnahmen kein ausreichender Gasaustausch erreicht wird. Es gibt mittlerweile viele verschiedene Beatmungsmodi, die jedoch folgenden Grundprinzipien folgen.
Zu den wichtigen Verfahren gehören:
Nicht-invasive Beatmung: Invasive Beatmung vermeiden oder verkürzen
Nicht-invasive Beatmung spielt eine zentrale Rolle, um Intubationen zu vermeiden oder die Dauer invasiver Beatmung zu reduzieren.
CO2-Monitoring als Schlüssel zur sicheren Beatmung
Engmaschiges (CO₂) Monitoring ist bei der Versorgung von Neonaten essenziell. So können Veränderungen von Resistance und Compliance gerade bei Frühgeborenen sehr rasch auftreten und die Beatmungsqualität maßgeblich beeinflussen. Dadurch können starke Schwankungen des CO₂ sowie Hyper- und Hypokapnien entstehen, welche die zerebrale Durchblutung beeinflussen und mit langfristigen neurologischen Einschränkungen einhergehen können.
Alternative Verfahren wie die endtidale CO₂-Messung sind für Frühgeborene oft weniger geeignet, da diese Technologie aufgrund kleiner Tidalvolumina und hoher Frequenzen an ihre Grenzen stösst. Daher wird häufig transkutanes CO2-Monitoring eingesetzt, insbesondere bei invasiver Beatmung und Hochfrequenzoszillation.
Prinzipien der lungenschonenden Beatmung
Eine lungenschonende Beatmung in der Neonatologie basiert auf:
- möglichst kleinen Tidalvolumina (i.d.R. 4-7ml/kgKG),
- niedrigem, aber ausreichendem Beatmungsdruck,
- enger Überwachung von Druck, Volumen und CO₂,
- rascher Anpassung bei Compliance-Veränderungen,
- Förderung der Spontanatmung,
- Vermeidung unnötig langer invasiver Beatmung.
Da sich die Lungenmechanik bei Frühgeborenen schnell verändern kann, ist eine kontinuierliche ärztliche und pflegerische Überwachung entscheidend.
Fazit
Beatmung in der Neonatologie ist ein Balanceakt zwischen notwendiger Atemunterstützung und konsequentem Lungenschutz. Nicht-invasive Verfahren stehen häufig im Vordergrund, während invasive Beatmung bei besonders unreifen oder schwer kranken Kindern weiterhin notwendig sein kann.
Volumengarantierte Beatmung und Hochfrequenzoszillation sind wichtige Optionen, wenn eine präzise oder besonders protektive Beatmungsstrategie erforderlich ist. Entscheidend bleibt jedoch nicht ein einzelner Beatmungsmodus, sondern die individuelle, eng überwachte Anpassung an das Kind. Die Beatmungseffektivität lässt sich dabei nicht-invasiv und kontinuierlich mit CO2 Monitoring überwachen und gibt Klinikern einen dauerhaft verfügbaren Trend, unabhängig von der Beatmungsform.
Häufige Fragen
Beatmungsstrategien in der Neonatologie vertiefen
Dr. Julia Sandkötter, Neonatologin und Leiterin der Neonatologie am Universitätsklinikum Münster, erklärt in diesem On-Demand-Webinar, wie lungenschonende Beatmung, nicht-invasive Unterstützung, HFOV, volumengarantierte Beatmung und CO₂-Monitoring die sichere Beatmungssteuerung bei Früh- und Neugeborenen unterstützen.






