Sekretretention ist eine häufig auftretende aber oft unterschätzte Herausforderung in der Intensivmedizin. Die vermehrte Sekretbildung und -retention wird nicht nur durch die Grunderkrankung verursacht, sondern auch durch grundlegende Aspekte der Intensivmedizin, einschliesslich der Platzierung eines Endotrachealtubus, Immobilität und Sedierung. Obwohl ein höheres Sekretaufkommen auf der ICU zu erwarten ist, ist Sekret keineswegs harmlos und kann den Krankheitsverlauf und die Genesung eines Patienten bedeutend erschweren.

Aus diesem Grund rückt die Frage zunehmend in den Fokus, wie die Sekretlast der Patienten effektiv reduziert werden kann – denn genau darin liegt eine bedeutsame Chance, die Behandlungsergebnisse positiv zu beeinflussen. Die intrapulmonale perkussive Ventilationstherapie (IPV) zielt darauf ab, festsitzendes Sekret auch in den distalen Atemwegen zu mobilisieren (Airway Clearance). Eine wachsende Evidenzlage belegt ihre Wirksamkeit und die Möglichkeiten bei der Behandlung kritisch kranker Patienten.

Warum die Atemwegstherapie auf der ICU wichtig ist

Auf der Intensivstation wird die Sekretretention häufig als Begleitphänomen der Grunderkrankung oder der maschinellen Beatmung eingeordnet, weshalb sich das klinische Management in der Praxis vielfach auf routinemäßige Maßnahmen wie das bedarfsadaptierte endotracheale Absaugen beschränkt.
Die klinische Relevanz der Sekretretention ist jedoch weitaus grösser: festsitzendes Sekret kann einen pathophysiologischen Kreislauf in Gang setzen, in dem sich Infektion, eingeschränkte Lungenfunktion und fortschreitende Schleimansammlung wechselseitig verstärken – ein Prozess, der die Genesung des Patienten erheblich beeinträchtigen kann.

Dies kann sich klinisch häufig wie folgt manifestieren: Angesammeltes Sekret schafft ein ideales Milieu für mikrobielles Wachstum,1 was das Risiko für Atemwegsinfektionen erhöht. In Reaktion darauf steigert das Immunsystem häufig die Schleimproduktion und löst gleichzeitig eine Entzündungsreaktion aus, die das Lungengewebe direkt schädigen kann.2 Die resultierende Entzündung und Gewebeschädigung können den Hustenstoß zusätzlich schwächen und die mukoziliäre Clearance beeinträchtigen. Die Folge ist eine anhaltende Sekretansammlung, die den selbstverstärkenden Kreislauf aufrechterhält und die Genesung weiter erschwert.

Die klinische Evidenz zeigt, dass angesammeltes, festsitzendes Sekret den Krankheitsverlauf eines Patienten negativ beeinflussen kann und eine Hürde für die Erreichung zentraler Behandlungsziele auf der ICU bildet – wie eine erfolgreiche Extubation. Diese gilt als wichtiges Therapieziel, da Extubationsversagen mit längeren Krankenhausaufenthalten, höheren Kosten und erhöhter Mortalität assoziiert ist.3,4 So identifizierte beispielsweise eine Studie bei Patienten, die innerhalb von 24 Stunden nach der Extubation eine Reintubation benötigten, eine beeinträchtigte Sekret-Clearance als häufigste Ursache – berichtet in 66 % der Fälle. Häufiges Absaugen (mehr als einmal alle zwei Stunden vor der Extubation) wurde ebenfalls als unabhängiger Prädiktor für ein Extubationsversagen identifiziert.5

Angesichts der zentralen Rolle, die Sekretretention in diesem Kreislauf spielt – und ihres Zusammenhangs mit negativen Behandlungsergebnissen – kann eine wirksame Airway Clearance Therapie ein wichtiger Bestandteil sein, um die Genesung kritisch kranker Patienten zu unterstützen.

Verbesserung der ICU-Behandlungsergebnisse mit der IPV-Therapie

Die IPV-Therapie wird insbesondere auf pädiatrischen Intensivstationen (PICU), in pneumologischen Abteilungen und auf Erwachsenen-Intensivstationen eingesetzt und stellt ein System zur Befreiung der Atemwege (Airway Clearance) dar. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie schnelle, hochfrequente Impulse mit einem Volumen unterhalb des Atemzugvolumens abgibt. Die Impulse erreichen das Sekret tief in der Lunge und mobilisieren es nach proximal. Durch ihre besondere Wirkungsweise kann die IPV-Therapie obstruierte Bereiche umgehen und so helfen, Air Trapping zu lindern sowie die Rekrutierung kollabierter Lungenareale zu unterstützen.

Durch die wirksame Mobilisation von Sekret aus den Atemwegen kann die IPV-Therapie dazu beitragen, den durch Sekretretention bedingten negativen Kreislauf zu durchbrechen, wobei die klinische Evidenz auf Verbesserungen bei zentralen Endpunkten für ICU-Patienten hindeutet.

Ein Blick auf die Evidenzlage:

Sekret-Clearance

Es konnte gezeigt werden, dass die IPV-Therapie die Sekret-Clearance unterstützt, indem sie Sekret in der Lunge wirksam mobilisiert.

Eine Studie aus dem Jahr 2021 zeigte die Wirksamkeit der IPV-Therapie bei der Sekretmobilisation und wies im Vergleich zur OLE-Therapie eine überlegene Mobilisierung von simuliertem Sekret nach. Diese Ergebnisse waren sowohl unter invasiv beatmeten als auch unter nicht beatmeten Bedingungen konsistent.6

Reduktion von Atelektasen

In einer randomisiert-kontrollierten Studie an beatmeten pädiatrischen Patienten verglichen Forscher die IPV-Therapie mit der Atemphysiotherapie (CPT) und untersuchten Veränderungen von Atelektasenbildung und der statischen Compliance.

Die IPV-Gruppe zeigte eine deutliche Verbesserung der Atelektase-Scores von 2,3 auf 0,9, während in der CPT-Gruppe keine Veränderung beobachtet wurde. Zudem konnten Atelektasen unter IPV-Therapie in signifikant kürzerer Zeit aufgelöst werden (3,1 Tage vs. 6,2 Tage).7

Kürzere Aufenthaltsdauer im Krankenhaus

Die Evidenz deutet zudem darauf hin, dass die IPV-Therapie zu einer Verkürzung der Aufenthaltsdauer auf der ICU und im Krankenhaus beitragen kann, was mögliche Vorteile für den gesamten Genesungsverlauf mit sich bringt.

In einer Studie an nicht beatmeten, kritisch kranken Patienten war die IPV-Therapie mit einer kürzeren Aufenthaltsdauer auf der ICU assoziiert – die Aufenthalte waren im Vergleich zu einer mit CPT behandelten Gruppe „signifikant kürzer“.8

Ebenso war in einer Studie an 33 Patienten mit COPD-Exazerbationen „der Krankenhausaufenthalt in der IPV-Gruppe (6,8 Tage) signifikant kürzer als in der Kontrollgruppe (7,9 Tage)“. Bedeutsam ist zudem, dass sich „die Exazerbation bei 6 von 17 Patienten“ in der Kontrollgruppe verschlechterte, gegenüber keinem Patienten in der IPV-Gruppe, was auf einen relevanten Einfluss auf den klinischen Verlauf hindeutet.9

Schliesslich war in einer Studie mit ICU-Patienten unter nicht-invasiver Überdruckbeatmung (NPPV) die Ergänzung um zwei tägliche IPV-Therapiesitzungen mit einer verkürzten Aufenthaltsdauer auf der ICU verbunden. Auch weitere Aspekte des Krankheitsverlaufs verbesserten sich unter IPV-Therapie, darunter eine verkürzte Beatmungsdauer und ein verbesserter Gasaustausch bei Entlassung – Ergebnisse, die im Vergleich zu einer mit traditioneller CPT behandelten Gruppe besser ausfielen.10

Evidenz ist entscheidend, wenn es um Airway Clearance geht.

Laden Sie eine Zusammenfassung von über 15 Studien zur Wirkung der IPV-Therapie herunter.

Zusammenfassung:

Sekretretention kann insbesondere bei ICU-Patienten einen Kreislauf der respiratorischen Verschlechterung in Gang setzen, wodurch eine wirksame Airway Clearance zu einem entscheidenden Bestandteil der Versorgung wird. Die IPV-Therapie wurde entwickelt, um dieser Herausforderung durch die gezielte Mobilisation von Sekret direkt zu begegnen. Angesichts einer wachsenden Evidenzlage, die die IPV-Therapie mit Verbesserungen bei Sekret-Clearance, Atelektase-Scores und Verweildauer in Verbindung bringt, stellt sie für die Atmungstherapie ein wertvolles Instrument zur Optimierung der Behandlungsergebnisse dar.

Literaturangaben:

    1. Fahy, J.V., et al. Airway mucus function and dysfunction. N Engl J Med. 2010.
    1. van der Lee, L., et al. Efficacy of Respiratory Physiotherapy Interventions for Intubated and Mechanically Ventilated Adults with Pneumonia: A Systematic Review and Meta-Analysis. Physiother Can. 2021.
    1. Epstein, S.K., et al. Independent effects of etiology of failure and time to reintubation on outcome for patients failing extubation. Am J Respir Crit Care Med. 1998.
    1. Gowardman, J.R., et al. The effect of extubation failure on outcome in a multidisciplinary Australian intensive care unit. Crit Care Resusc. 2006.
    1. Haruna, J., et al. Frequent tracheal suctioning is associated with extubation failure in patients with successful spontaneous breathing trial: a single-center retrospective cohort study. JA Clin Rep. 2022.
    1. Conomon, D., et al. High frequency percussive airway clearance utilizing two devices in simulation of mucous clearance, without spontaneous breathing, both with and without mechanical ventilation. Respir Care. 2021.
    1. Deakins, K., Chatburn, R.L. A comparison of intrapulmonary percussive ventilation and conventional chest physiotherapy for the treatment of atelectasis in the pediatric patient. Respir Care. 2002.
    1. Hassan, A., et al. Effect of intrapulmonary percussive ventilation on intensive care unit length of stay, the incidence of pneumonia and gas exchange in critically ill patients: A systematic review. PLoS One. 2021.
    1. Vargas, F., et al. Intrapulmonary percussive ventilation in acute exacerbations of COPD patients with mild respiratory acidosis: a randomized controlled trial [ISRCTN17802078]. Crit Care. 2005.
    1. Antonaglia, V., et al. Intrapulmonary percussive ventilation improves the outcome of patients with acute exacerbation of chronic obstructive pulmonary disease using a helmet. Crit Care Med. 2006.

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